Im Forschungsprojekt LUITA untersuchen das Fraunhofer IAO, das IAT der Universität Stuttgart sowie die Landkreise Reutlingen und Zollernalbkreis, wie fernpilotierte Drohnen schnellere Lagebilder liefern und Leitstellen sowie Einsatzleitungen bereits während der Anfahrt unterstützen können. Ziel ist eine übertragbare Blaupause für den sicheren und wirksamen Drohneneinsatz in der Gefahrenabwehr.
Vegetationsbrände stellen Einsatzkräfte zunehmend vor komplexe Herausforderungen: Einsatzorte sind oft schwer zu lokalisieren, das Gelände ist unübersichtlich und Entscheidungen müssen unter hohem Zeitdruck getroffen werden. Wenn Einsatzkräfte zu einem Vegetationsbrand alarmiert werden, fehlt oft die wichtigste Information: Wo genau brennt es? In Wald- und Freiflächen gibt es keine Hausnummern, Anrufende können ihren Standort nicht immer eindeutig beschreiben oder melden lediglich Rauchentwicklungen aus der Ferne. Genau hier setzt LUITA an: Im Forschungsprojekt »Luftgestützte interdisziplinäre taktische Aufklärung« untersuchen Expertinnen und Experten des Instituts für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT der Universität Stuttgart, das eng mit dem Fraunhofer IAO kooperiert, wie fernpilotierte Drohnen frühzeitig Lagebilder liefern und Einsatzkräfte bei taktischen Entscheidungen unterstützen können. So lassen sich Brände früher eindämmen, Einsatzmittel gezielter disponieren und eine weitere Ausbreitung verhindern.
»Mit LUITA erforschen wir, wie Drohnendaten so in Leitstellenprozesse eingebunden werden können, dass Einsatzkräfte schneller handlungsfähig sind. Entscheidend ist dabei nicht allein die Technologie, sondern ihr Zusammenspiel mit Organisation, Kommunikation und taktischer Entscheidungsfindung. Genau deshalb bringen wir wissenschaftliche Expertise und Einsatzpraxis eng zusammen«, sagt Lena Posselt, wissenschaftliche Mitarbeiterin am IAT der Universität Stuttgart.
Forschung und Praxis entwickeln gemeinsam Lösungen für Lageerkundung
Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO untersucht, wie Drohnendaten in Leitstellenprozesse, organisationsübergreifende Abläufe und taktische Entscheidungen eingebunden werden können. Das IAT der Universität Stuttgart koordiniert das Projekt und entwickelt gemeinsam mit den Partnern Einsatzszenarien, Maßnahmenpläne sowie Schulungs- und Evaluationskonzepte. Die Landkreise Reutlingen und Zollernalbkreis bringen die operative Perspektive ein, bauen die Drohnenport-Infrastruktur auf und erproben die Lösungen in realitätsnahen Tests und Übungen. Im Projekt werden fernpilotierte Drohnensysteme an ausgewählten Standorten in den Landkreisen stationiert und in bestehende Alarm- und Einsatzstrukturen integriert.
Erprobung unter Realbedingungen in zwei Landkreisen
Ein zentraler Bestandteil des Projekts sind reale und dokumentierte Testeinsätze sowie gezielte Forschungsübungen. Dabei werden Drohnensysteme und Einsatzabläufe unter realitätsnahen Bedingungen erprobt und die Integration der Drohnen als Einsatzmittel in Leitstellen- und Führungsprozesse bewertet. Nach der Alarmierung sollen die zentral gesteuerten Systeme binnen 30 Sekunden starten und hochauflösende Live-Lagebilder aus der Luft liefern. So können Leitstellen und Einsatzleitungen bereits während der Anfahrt eine belastbare Lageeinschätzung vornehmen und taktische Entscheidungen vorbereiten. Untersucht werden unter anderem die Start- und Anflugzeiten der Drohnen, die Qualität der Live-Lagebilder, die Stabilität der Datenübertragung sowie die Kommunikationsabläufe zwischen Leitstelle, Einsatzleitung und Kräften vor Ort. Auch rechtliche und organisatorische Fragen wie Luftraumfreigaben, BVLOS-Betrieb, Kollisionsvermeidung und die Koordination mit anderen Luftfahrzeugen werden berücksichtigt. Ein BVLOS-Betreiber ist ein Drohnenbetreiber, der Flüge außerhalb der direkten Sicht des Piloten durchführt.
Blaupause für die Gefahrenabwehr in Deutschland
LUITA ist auf den Transfer in die Praxis ausgerichtet: Die Projektergebnisse sollen nicht nur den beteiligten Modellregionen zugutekommen, sondern als Blaupause für weitere Landkreise und Regionen dienen – mit praxisnahen Handlungsempfehlungen, Leitfäden und Transfermaterialien. Darüber hinaus eröffnet das Projekt Anschlussmöglichkeiten zu weiteren Forschungs- und Innovationsvorhaben, etwa zur Nutzung von Drohnendaten für Schulungszwecke oder zur Kombination von Live-Lagebildern mit KI-gestützten Auswertungssystemen. Langfristig soll LUITA dazu beitragen, Einsatzkräfte in komplexen Lagen besser zu unterstützen, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen und die Sicherheit von Bevölkerung, Umwelt und Infrastruktur zu stärken.
„Gerade bei Vegetationsbränden entscheidet die erste Lageeinschätzung über den Einsatzerfolg. Wenn die Drohne binnen Sekunden startet und ein Live-Lagebild liefert, gewinnen wir wertvolle Zeit für die richtigen taktischen Entscheidungen schon während der Anfahrt und können so unsere Kräfte deutlich gezielter einsetzen. Mit LUITA erproben wir Drohnen unter realen Bedingungen und mit wissenschaftlicher Begleitung.“ sagt Kreisbrandmeister Wolfram Auch vom Landratsamt Reutlingen.
Projektpartner stimmen bei Kick-off erste Schritte für LUITA ab
Das Vorhaben wurde offiziell gestartet und wird im Rahmen der DATIpilot-Förderung im Kontext des FFFLab (FFFLab steht für Forest Fire Fighting Laboratory) umgesetzt, einer Innovationscommunity, die den Wissens- und Innovationstransfer zwischen Wald und Feuerwehr stärkt und damit an die Förderrichtlinie »DATIpilot – Fördern und Lernen für Innovation und Transfer« anknüpft. Beim Auftakt Work-Shop Ende Juni stimmten die Projektpartner gemeinsam Ziele, Arbeitspakete und die nächsten Schritte ab. Im Fokus standen die Anforderungen aus der Einsatzpraxis, die technische Integration der Drohnensysteme und die Planung erster Tests und Übungen.