Landkreis Calw organisiert die Energiewende neu

Eigenstrom wird standortübergreifend nutzbar

Landkreis Calw · 12. März 2026
Der Landkreis Calw organisiert die Energiewende neu und macht Eigenstrom standortübergreifend nutzbar
Der Landkreis Calw organisiert die Energiewende neu und macht Eigenstrom standortübergreifend nutzbar
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Der Landkreis Calw richtet seine Energieversorgung strategisch neu aus. Ziel ist es, den selbst erzeugten klimaneutralen Strom künftig deutlich effizienter zu nutzen – und ihn innerhalb der eigenen Liegenschaften flexibel verfügbar zu machen. Gemeinsam mit der ENCW setzt das Landratsamt Calw dabei auf ein intelligentes Bilanzkreismodell. „Mit dem neuen Bilanzkreismodell gehen wir einen wichtigen Schritt hin zu einer modernen, intelligent organisierten Energieversorgung unserer kreiseigenen Gebäude. Der von uns erzeugte Solarstrom kann künftig dort genutzt werden, wo er gerade gebraucht wird – unabhängig vom Standort der Anlage. Das steigert nicht nur die Wirtschaftlichkeit unserer Investitionen, sondern bringt uns auch unserem Ziel näher, die Liegenschaften des Landkreises bis 2030 bilanziell klimaneutral zu betreiben“, so Landrat Helmut Riegger.

Kern der neuen Strategie ist die systematische Eigenverbrauchserhöhung des eigenerzeugten Stroms. Der Eigenbetrieb Erneuerbare Energien des Landkreises betreibt bereits mehrere Photovoltaikanlagen – unter anderem auf der Karl-Georg-Haldenwangschule in Bad Teinach-Zavelstein, am Berufsschulzentrum Calw sowie an der Gemeinschaftsunterkunft in Wildberg. Weitere Anlagen befinden sich im Bau oder in der Umsetzung: auf dem neuen Feuerwehrzentrum des Landkreises, als vertikale PV-Anlage auf dem Parkplatz des Landratsamts sowie an der neuen Straßenmeisterei Würzbacher Kreuz. Zusammen erreichen diese Projekte eine installierte Leistung von rund 2.000 Kilowattpeak.

Horst Graef, Geschäftsführer der ENCW, und Landrat Helmut Riegger bei der Vertragsunterzeichnung (v.l.n.r.)
Horst Graef, Geschäftsführer der ENCW, und Landrat Helmut Riegger bei der Vertragsunterzeichnung (v.l.n.r.)
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Strom wird bilanziell verschoben

Neu ist nicht nur der Ausbau der Photovoltaik, sondern vor allem das energiewirtschaftliche Konzept dahinter. Der von den Anlagen erzeugte Strom wird in einen gemeinsam entwickelten Bilanzkreis aufgenommen, den die ENCW führt. Innerhalb dieses Bilanzkreises kann der Strom bilanziell an beliebigen kreiseigenen Verbrauchsstellen genutzt werden. Damit wird der an einem Standort erzeugte Strom rechnerisch mit dem zeitgleichen Verbrauch an anderen Liegenschaften des Landratsamts verrechnet. Dieses Modell ermöglicht eine deutlich höhere Eigenverbrauchsquote, senkt den externen Strombezug und erhöht die wirtschaftliche Effizienz der Anlagen. Gleichzeitig übernimmt die ENCW das vollständige Bilanzkreismanagement.
 

Speicher erhöhen Flexibilität

Ergänzend werden die Anlagen mit Batteriespeichern ausgestattet. Diese dienen der Überschussoptimierung: Nicht sofort verbrauchter Strom wird zwischengespeichert und zeitversetzt genutzt.

Dadurch lassen sich Lastspitzen reduzieren, Netzrückspeisungen minimieren und der Eigenverbrauch weiter steigern. Das Zusammenspiel aus Photovoltaik, Speicher und Bilanzkreis schafft ein vernetztes, steuerbares Energiesystem auf Landkreisebene.
 

Masterplan Klimaneutral 2035 als Grundlage

Konzeptionell entwickelt wurde dieses Modell im Rahmen des „Masterplans Klimaneutral 2035“ des Landkreises. Die energiewirtschaftliche Strukturplanung, insbesondere das sektorübergreifende Bilanzkreismodell, wurde durch die Planungsgruppe Schnepf aus Nagold erarbeitet.

Dabei ging es nicht allein um Einzelanlagen, sondern um eine systemische Betrachtung mehrerer Sektoren: Stromerzeugung, Verbrauchsstruktur der Liegenschaften, Speicherintegration und energiewirtschaftliche Abwicklung. Ziel ist es, die kreiseigenen Gebäude bis spätestens 2030 bilanziell klimaneutral mit selbst erzeugtem Strom zu versorgen.
 

Modell mit Signalwirkung

Das Projekt zeigt, wie kommunale Eigenstromerzeugung heute organisiert werden kann: nicht isoliert pro Standort, sondern vernetzt, bilanziell optimiert und energiewirtschaftlich professionell gemanagt.

In Zeiten steigender Anforderungen an Versorgungssicherheit, Kosteneffizienz und Klimaschutz setzt der Landkreis Calw damit auf ein strukturiertes und langfristig tragfähiges Modell. Die Energiewende wird hier nicht nur umgesetzt – sie wird strategisch organisiert.

Schlagworte: Calw , Energie
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