Internationales Forschungsprojekt zu Ko-Produktion

Probleme gemeinsam „anpacken“: Bürger und Verwaltung arbeiten Hand in Hand

Kommunen stehen vor wachsenden Aufgaben und Erwartungen. Das internationale Forschungsprojekt „Co-Success“ untersucht, wie Städte, Gemeinden und Landkreise mit Bürgern durch „Ko-Produktion“ Probleme vor Ort besser lösen können.
Prof. Dr. Angelika Vetter · Institut für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart · 11. März 2026
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Was kann man vor Ort tun, wenn Städte, Gemeinden und Landkreise vor immer mehr Aufgaben stehen, Handlungs- und Entscheidungsspielräume geringer werden und gleichzeitig die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger an die Politik und Verwaltung im Hinblick auf die Lösung von Problemen vor Ort hoch sind?

Immer mehr Kommunen setzten vor diesem Hintergrund auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit ihrer Bürgerschaft. Auch für die Landkreise ist dies ein wichtiger Ansatz. Sie stehen u. a. in ihrer Funktion als Sozialhilfeträger und aufgrund ihrer planerischen Verantwortung für funktionierende Strukturen und eine zukunftsfähige Daseinsvorsoge ein. Deswegen sind sie häufig wichtige Organisatoren, die den Austausch der kreisangehörigen Städte und Gemeinden fördern und mit planerischer Expertise die landkreisweite Vernetzung der relevanten Akteurinnen und Akteure flankieren.

Die Wissenschaft nennt diesen Ansatz „Ko-Produktion“, wenn Verwaltungen und Bürger öffentliche Leistungen gemeinsam entwickeln oder umsetzen. Beispiele für solche Projekt sind u.a. Mentoringprogramme wie in Basel (Baseler Mentoringprogramm), bei dem berufstätige Bürgerinnen und Bürger Jugendliche beim Übergang von der Schule in die Lehre begleiten und unterstützen.  

Bürgerinnen und Bürger sind bei dieser Zusammenarbeit nicht nur Empfänger von Leistungen, sondern aktive Mitgestalter. Sie werden bei der gemeinsamen Identifikation, Planung und ggfs. Lösung von Problemen vor Ort miteingebunden. Sie haben Wissen, das für die Lösung von Problemen wichtig sein kann. Sie haben Erfahrungen und Ressourcen, mit denen ggfs. auch konkrete Leistungen vor Ort effizienter und effektiver bereitgestellt werden können.

Trotz vieler positiver Erwartungen an solche Ko-Produktionsprozesse gibt es bislang aber nur begrenzte systematische Erkenntnisse darüber, wann sie sinnvoll und erfolgreich sind. Hier setzt das Forschungsprojekt „CO-SUCCESS“ an, bei dem auch der Landkreistag Baden-Württemberg im Projektbeirat vertreten ist.

Das Projekt startet im Frühjahr 2026 mit einer Befragung von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern bzw. den lokalen Verwaltungsspitzen in Baden-Württemberg, Österreich, der Schweiz und in Großbritannien. Die Ergebnisse sollen den Kommunen helfen, Ko-Produktion wirksam in ihr Handeln zu integrieren. Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, öffentliche Dienstleistungen wirksamer, passgenauer und nachhaltiger zu gestalten – und gleichzeitig das Vertrauen und die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Bürgerschaft stärken.
 

Was bringt dieses Projekt für Kommunen und Landkreise?

In vielen Ländern wird Ko-Produktion bereits intensiv diskutiert und erprobt. Obwohl auch in Kommunen mit stark rechtlich geprägten Verwaltungsstrukturen – wie in Deutschland, Österreich oder der Schweiz – Ko-Produktion nichts Neues und überall zu finden ist, fehlen belastbare Erkenntnisse darüber, wie verbreitet solche Ansätze tatsächlich sind und welche Ergebnisse sie bringen. Für kommunale Entscheidungsträger ergeben sich daraus zentrale Fragen, auf die das Projekt Antworten finden soll:

Diese Fragen werden nicht theoretisch beantworten, sondern auf Basis konkreter Erfahrungen aus Kommunen in den vier Ländern mit unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen. Das Projekt verfolgt ausdrücklich einen praxisorientierten Ansatz.

Die Ergebnisse werden praxisnahe Empfehlungen sein, die Kommunen konkretes Wissen zur Verfügung stellen, wann und wie Ko-Produktion konkret vor Ort umgesetzt werden kann und welche Faktoren in welchem Kontext zu guten Ergebnissen führen.

Die beteiligten Kommunen können auf mehreren Ebenen von ihrer Beteiligung profitieren:

Sie erhalten nach Abschluss des Projektes

  • fundierte Erkenntnisse darüber, wann Ko-Produktion sinnvoll ist,
  • konkrete Hinweise zu Erfolgsfaktoren und Stolpersteinen,
  • vergleichende Einblicke in die Erfahrungen anderer Kommunen und
  • praxisnahe Empfehlungen („Dos and Don’ts“) für die (Weiter-)Entwicklung eigener Ko-Produktions-Prozesse.

Das Projekt wird Antworten geben auf die folgenden Fragen:

  • Wie wichtig schätzen kommunale Führungskräfte in den vier Ländern Ko-Produktion ein?
  • Wann lohnt sich die Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern in die kommunale Verwaltungsarbeit wirklich?
  • Unter welchen Bedingungen können Ko-Produktions-Projekte erfolgreich umgesetzt werden?
  • Unter welchen Bedingungen führen sie tatsächlich zu besseren Ergebnisse für die Kommunen und ihre Bürgerschaft?

Die drei Phasen des internationalen Projektes

Das Projekt CO-SUCCESS wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefördert. Beteiligt sind dabei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (Dr. Jörn Ege), der Universität Stuttgart (Prof. Dr. Angelika Vetter,), der Universität für Weiterbildung Krems (Dr. Noella Edelmann) sowie Dr. Elke Löffler von der Universität Birmingham sowie „Governance International“.

Der Schwerpunkt liegt auf zwei kommunalen Aufgabenfeldern mit hoher praktischer Relevanz: erstens dem Umgang mit Folgen des demographischen Wandels und einer alternden Gesellschaft vor Ort, sowie zweitens der Bearbeitung von Umwelt-, Klima- und Nachhaltigkeitsthemen vor Ort. Beide Bereiche haben nicht nur eine hohe aktuelle Relevanz, sondern können sich für eine enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Bevölkerung als besonders wertvoll erweisen.

Das Projekt geht davon aus, dass erfolgreiche Zusammenarbeit nicht zufällig entsteht. Vielmehr spielen dabei vermutlich verschiedene Faktoren zusammen, zum Beispiel:

  • der Problemdruck vor Ort,
  • die Unterstützung durch die Verwaltungsleitung oder die Politik,
  • die richtige Verteilung von Verantwortlichkeiten,
  • das Zusammenspiel zwischen Verwaltung und Bürgern,
  • vorhandene Ressourcen und Kompetenzen sowie
  • rechtliche Rahmenbedingungen.

Im Projekt wird unterschieden zwischen zwei Formen von Erfolg: Erstens wird nach dem Prozesserfolg gefragt, der sich ergibt aus der Art und Weise, wie gut die Zusammenarbeit organisiert und umgesetzt wird. Zweitens geht es um die Ergebnisse selbst: Hat das Projekt tatsächlich zu besseren Leistungen geführt, zu Beispiel zu einer höheren Qualität und Effizienz, einer größeren Zufriedenheit der Nutzer oder zu innovativen Lösungen? Diese differenzierte Betrachtung ist besonders wichtig, weil Projekte gut organisiert sein können, aber dennoch nicht die gewünschten Wirkungen erzielen oder umgekehrt.

Das Forschungsvorhaben läuft in drei aufeinander aufbauenden Schritten ab: Zunächst werden die Verwaltungsspitzen in den Kommunen der vier Länder befragt.

Ziel ist es, ein umfassendes Bild davon zu gewinnen,

  • welche Rolle Ko-Produktion in der Praxis spielt,
  • welche Chancen und Risiken gesehen werden, und
  • welche Rahmenbedingungen vor Ort dafür eine Rolle spielen könnten.

Anschließend werden ausgewählte kommunale Projekte gemeinsam mit Verwaltungsmitarbeitenden und beteiligten Bürgerinnen und Bürgern genauer untersucht. Es geht um reale Erfahrungen aus der Praxis: Was hat funktioniert? Was nicht? Warum? Im dritten und letzten Schritt geht es um vertiefte Fallanalysen. Einige besonders typische oder überraschende Fälle werden detailliert analysiert, um die Wirkmechanismen erfolgreicher Zusammenarbeit besser zu verstehen.
 

Ihre Mitwirkung ist wichtig!

Ko-Produktion wird häufig als vielversprechender Ansatz für moderne kommunale Governance gesehen. Doch bislang fehlt es an verlässlichem Wissen darüber, wann sie wirklich funktioniert und wie sie erfolgreich umgesetzt werden kann.

Das Projekt CO-SUCCESS möchte diese Lücke schließen. Es verbindet wissenschaftliche Analyse mit praktischer Erfahrung und zielt darauf ab, konkrete Handlungsempfehlungen für die kommunale Praxis zu entwickeln.

Die Qualität der Ergebnisse hängt entscheidend von den Erfahrungen der kommunalen Praxis ab. Nur wenn viele Kommunen ihre Perspektiven einbringen, kann ein realistisches Bild entstehen und können wesentliche Fragen zur Nutzung von Ko-Produktion in den Kommunen beantwortet werden. Daher ist im ersten Schritt eine hohe Beteiligung an der kurzen Befragung wichtig. Jede Rückmeldung trägt dazu bei, besser zu verstehen, wie Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Bürgerschaft gelingen kann und wie kommunale Leistungen zukünftig nachhaltig verbessert werden können.

Falls Sie Interesse haben, eine engere Partnerschaft mit uns einzugehen, besuchen wir Sie auch gerne vor Ort, um ein möglichst umfassendes Bild von ihren Initiativen und Projekten zu bekommen und sie bei der Optimierung der Durchführung zu unterstützen. Durch eine großzügige Projektförderung durch den Schweizerischen Nationalfonds ist unser Service für Sie gratis.

Kontakte und mehr Informationen:

Möchten Sie Ihre Erfahrungen teilen oder mehr über das Projekt erfahren? Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf per E-Mail an Gabriel Gasser (gasg@zhaw.ch).

Weitere Informationen über unser Projekt finden Sie unter: https://www.zhaw.ch/de/sml/institute-zentren/ivm/co-success#c266505

Prof. Dr. Angelika Vetter ist akademische Direktorin und außerplanmäßige Professorin am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart
Schlagworte: Partizipation
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