Der Fachberater für Quartiersentwicklung beim Landkreistag, Maximilian Teufel, eröffnete die Quartierswerkstatt 2.0. Nach einer kurzen Vorstellung der anstehenden Agenda, stellte Angela Hantke vom Lehn die Koordinierungsstelle der Quartiersakademie vor. Sie erläuterte bildhaft, wie die Angebote zur Qualifizierung im Bereich der Quartiersentwicklung und Sozialraumorientierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Landkreise genutzt werden können. So sind neben der finanziellen Förderung von offenen Fortbildungsangeboten auch ganz konkrete Inhouse-Schulungen für gesamte Verwaltungseinheiten möglich. Außerdem: Veranstaltet ein Landkreis bspw. einen Fachtag zu den Themen, können die Kosten für die Referentin oder den Referenten im Nachgang erstattet werden.
Impulse für die Praxis
Kristina Faden-Kuhne von der FamilienForschung Baden-Württemberg widmete sich der wachsenden Herausforderung von (Alters-)Armut in Baden-Württemberg. Armut bringt zahlreiche Herausforderungen mit sich, darunter häufig auch soziale Isolation. Ansatzpunkte, wie die Landkreise dem entgegenwirken können, sollte der Nachmittag deutlich machen. Im gemeinsamen Austausch diskutierten die Teilnehmenden über Handlungsmöglichkeiten der Landkreise und darüber, wie das Thema in der Gesellschaft stärker verankert werden kann.
Als externes Mitglied der Enquetekommission Krisenfeste Gesellschaft präsentierte Frau Prof. Dr. Astrid Elsbernd von der Hochschule Esslingen die zentralen Erkenntnisse des Abschlussberichts. Sie zeigte auf, wie eine zukunftsorientierte Quartiersarbeit aktiv dazu beitragen kann, Pflegebedarfe zu reduzieren, die gesellschaftliche Teilhabe zu stärken und schließlich Quartiere und damit die Gesellschaft krisenfester zu machen.
Der Abschlussbericht der Enquetekommission Pflege unterstreicht dazu die Bedeutung der Quartiersentwicklung und empfiehlt, die Landesstrategie Quartier 2030 stärker auf Gesundheit – im Sinne von Health in All Policies (HiAP) – auszurichten. Gleichzeitig sollen die Themen Einsamkeit und soziale Isolation stärker in Förderprogrammen berücksichtigt werden.
Die Quartierswerkstatt 2.0 findet einmal je Halbjahr statt und wird von der Fachberatung Quartiersentwicklung beim Landkreistag organisiert und veranstaltet. Sie richtet sich an Fachkräfte aus den Landratsämtern und dient dem Erfahrungsaustausch und der Vernetzung auf Landkreisebene. Wissenschaftliche Beiträge bieten im Zusammenspiel mit der praktischen Expertise der Teilnehmenden den idealen Nährboden für kreative Ideen für die Quartiersarbeit vor Ort. Sie wollen keinen Termin verpassen? Wir nehmen Sie gerne in unseren Verteiler auf und informieren Sie frühzeitig! Senden Sie hierfür eine kurze Nachricht an teufel@landkreistag-bw.de.
Von der Theorie in die Praxis
Nicht erst seit der Enquetekommission Krisenfeste Gesellschaft stehen die Themen Einsamkeit und soziale Isolation auf der Agenda der Landkreise. Am Nachmittag wurde es deshalb ganz konkret: Vier Landkreise präsentierten ihre Projekte gegen Einsamkeit.
So werden im Landkreis Lörrach derzeit die „Aktivierenden Hausbesuche“ ausgeweitet und ausgebaut. Ziel ist es, soziale Teilhabe zu ermöglichen und so die Selbstständigkeit der Seniorinnen und Senioren zu erhalten.
Das Netzwerk gegen Einsamkeit & ungewolltes Alleinsein des Landkreises Schwäbisch Hall verfolgt einen doppelten Ansatz: Es sensibilisiert für das Thema und verbessert in Zusammenarbeit mit Projektpartnern die Angebote für ältere Menschen, mit dem Ziel, die Lebensqualität zu steigern und die gesellschaftliche Teilhabe zu fördern.
INGA steht für Initiative gutes Altern und ist ein Projekt des Landkreises Böblingen. Durch ehrenamtliche Besuchsdienste soll die Einsamkeit von älteren Personen reduziert und nachhaltige Strukturen aufgebaut werden.
Der Ostalbkreis stellte sein noch junges Einsamkeitsnetzwerk „Ostalb gemeinsam“ vor. Mit dem Netzwerk sollen gute Strukturen für Prävention, Intervention und Vernetzung im Ostalbkreis geschaffen werden. Konkret bedeutet das: Weiterentwicklung und Sichtbarmachen von geeigneten Maßnahmen zur Reduzierung der Einsamkeit im Alter, Sensibilisierung für das Thema Einsamkeit, Gewinnung ehrenamtlicher Personen, Entlastung der Ärztinnen und Ärzte und Erprobung von (präventiven) gesundheitsfördernden Maßnahmen.
Am Ende des Tages wurde deutlich: Der Weg zu einer krisenfesten Gesellschaft ist anspruchsvoll, doch die kreativen Ansätze und das Engagement der Landkreise sind ebenso beeindruckend.
Die Quartierswerkstatt 2.0 erwies sich als wertvolle Plattform, um von- und miteinander zu lernen und gemeinsam Lösungen für eine krisensichere Gesellschaft im Quartier zu entwickeln.