„Empowerment für Frauen mit Zuwanderungsgeschichte“ im Landkreis Rastatt

Von der Raupe zum Schmetterling – wie durch Stärkung und Ressourcenarbeit Potenziale entfaltet werden können

„Ich kann viel mehr als ich dachte“ – Das Empowerment-Projekt des Landkreises Rastatt beweist, wie viel Power eine Veranstaltungsreihe haben kann, um Frauen mit Zuwanderungsgeschichte eine Perspektive aufzuzeigen, ihr Selbstvertrauen zu stärken und Orientierung zu geben in Bezug auf die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und am Arbeitsmarkt.
Patricia Grabenbauer · Landkreis Rastatt · 18. Dezember 2025
Gruppenbild Empowerment-Projekt
Gruppenbild Empowerment-Projekt
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Sechs Monate, sechs Veranstaltungen und am Ende zufriedene Gesichter, Worte der Dankbarkeit, Frauen voller Selbstvertrauen, bereichernder Erfahrungen und dem Wissen, dass sie nicht alleine sind mit allen Herausforderungen, die ein Leben als zugewanderte Frau in Deutschland mit sich bringt.

„Vor dem Projekt war ich eine verlorene Frau ohne Ziel, ohne Orientierung für die Zukunft! Ich habe mich in diesem Workshop gefunden! Jetzt weiß ich, wer ich bin!“

Etwa die Hälfte der Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft in Deutschland sind Frauen. Maßgeblich für die Integration von Familien in gesellschaftliche Strukturen und dem gesellschaftlichen Leben ist die Teilhabe der Frau am sozialen Leben sowie am Arbeitsmarkt. Aufgrund verschiedener Faktoren, wie zum Beispiel geschlechterspezifische Rollenbilder, fehlende Kinderbetreuung oder der Mangel an sozialen Kontakten, ist die Quote der Frauen, die einer Arbeit nachgehen oder sich am gesellschaftlichen Leben beteiligen, meist geringer als die der Männer. Um die Teilhabe der Frauen am Arbeitsmarkt sowie deren persönliche sowie berufliche Weiterentwicklung zu fördern, wurde das Projekt „Empowerment für Frauen mit Zuwanderungsgeschichte“ als neues Angebot des Landkreises Rastatt ins Leben gerufen.

Die niederschwellige Veranstaltungsreihe mit Vorträgen und Workshops in einfacher Sprache wurde als Gemeinschaftsprojekt vom Amt für Migration und Integration und dem Amt für Weiterbildung und Kultur vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg gefördert.

Ursprung des Förderaufrufs war die Strategiegruppe des „Netzwerk Integration“ Baden-Württemberg, die sich mit der Frage befasste, wie das Potential zugewanderter Frauen in Baden-Württemberg für das Gemeinwohl und die Arbeitswelt stärker genutzt werden kann.

Auftakt des Empowement-Projekts
Auftakt des Empowement-Projekts
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Das Projektteam des Landratsamtes Rastatt nutzte das interne Netzwerk und das Know-How der Kolleginnen im Landratsamt sowie das Angebot der Kooperationspartnerinnen und -partner, um Rednerinnen und Workshopleiterinnen zu finden und die verschiedenen Themenbereiche des Projektes mit Leben zu füllen.

Im Januar startete dann eine Gruppe von Frauen zwischen 25 und 60 Jahren aus 10 verschiedenen Ländern in das Projekt. Zwischen Februar und Juli 2025 fanden drei Vorträge und drei Workshops statt.

Die Themen waren „Mentale Gesundheit“, „Rechte der Frauen“, „Weiterbildungsmöglichkeiten“, „Work-Life-Balance“, „Resilienz“ und „Selbstwertgefühl“. Je nach Thema waren 12 bis 25 Teilnehmerinnen mit dabei.

Der erste Vortrag zum Thema „Gesundheit für Körper, Geist und Seele“ wurde von der Zuständigen für Gesundheitsförderung und Gesundheitsplanung im Landratsamt Rastatt gehalten. Über die Rechte als Frau klärte der Verein „Frauen helfen Frauen e.V.“ im Vortrag „Frauen haben Rechte!“ auf.

Vortrag "Frauen haben Rechte"
Vortrag "Frauen haben Rechte"
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Wichtige Anlaufstellen und Informationen zum Thema berufliche Weiterentwicklung wurden von der Agentur für Arbeit in Rastatt mit den Frauen im Vortrag „Weiterbildung macht’s möglich! Berufsorientierung für Frauen!“ geteilt.

Die drei Workshops der Veranstaltungsreihe leitete eine qualifizierte Coach und Trainerin für mentale und psychische Gesundheit. Sie unterstützte die Teilnehmerinnen dabei, ihre individuellen Stärken und Ressourcen zu erkennen und ihre Ziele mit neuem Selbstvertrauen zu verfolgen und diese Schritt für Schritt zu erreichen.

Wichtig für die Referentinnen waren während der Vorträge und Workshops die aktive Einbindung der Teilnehmerinnen, das individuelle Eingehen auf deren Belange und Bedürfnisse und vor allem darauf, für die Frauen einen geschützten Raum zu schaffen außerhalb von Familie und Partnerschaft. Ein Raum, in dem die Frauen gehört und gesehen werden mit allem, was sie mitbringen, in dem sie sich frei äußern können und Zeit für sich selbst und ihre Belange finden für ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland als Frau.

Eine Teilnehmerin erzählt von ihrem Weg.
Eine Teilnehmerin erzählt von ihrem Weg.
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Aus der Gruppe kamen durchweg positive Rückmeldungen, die zeigen wie wichtig und wie prägend dieses Projekt für sie war im Hinblick auf sich selbst, auf ihr Leben und ihre Zukunft – privat sowie beruflich. Das Projekt hat ihnen Orientierung gegeben, ihr Selbstvertrauen gestärkt und ihnen Mut gemacht, sich selbst wichtig zu nehmen, für die eigenen Rechte einzustehen und auf die eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Ziele zu schauen. Am aussagekräftigsten sind die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen selbst zum Projekt.

Rezensionen der Teilnehmerinnen

  • „Die Initiative, Frauen aus verschiedenen Kulturen und Herkunft in Kontakt zu bringen, war äußerst wertvoll.“
  • „Das Projekt hat mein Selbstbewusstsein und meinen Mut erhöht. Seit dem Projekt fühle ich mich sehr stark und kann richtige Entscheidung klar treffen und bewusst planen.“
  • „Das Seminar hat mir geholfen, in mich selbst hineinzuschauen und mich besser zu verstehen.“
  • „Ich kann viel mehr als ich dachte! Und mit dieser viel positiveren Einstellung werde ich meine zukünftigen Herausforderungen meistern und mich in diesem Land besser zurechtfinden.“
  • „Durch das Projekt konnte ich für mich wichtige berufliche Entscheidungen treffen und bin nun seit dem 1. September offiziell Schülerin am Berufskolleg zur Pharmazeutisch-technischen Assistentin.“

Das Förderprojekt ermöglichte es den Teilnehmerinnen viel über sich selbst und ihre individuellen Kompetenzen zu lernen. Gleichzeitig erhielten sie dadurch wichtige Informationen über Beratungs-, Informations- und Bildungsangebote, um sich auch noch nach dem Projekt selbständig weiterzuentwickeln und Unterstützung in Anspruch nehmen zu können.

Fazit

Das Förderprojekt „Empowerment für Frauen mit Zuwanderungsgeschichte“ zeigt, wie vielfältig das Potential von zugewanderten Frauen und wie wichtig und bereichernd deren Förderung ist. Frauen sind ein essentieller Baustein für die Integration der zugewanderten Familien in die deutsche Gesellschaft. Sie haben ein Recht auf Teilhabe am Arbeitsmarkt sowie am gesellschaftlichen Leben.

Von der Raupe zum Schmetterling – das Potential von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte ist riesig und darf durch weitere solcher Projekte gefördert und entfaltet werden.

Kontakt:

Tamina Hommer, Landratsamt Rastatt
Stv. Leitung Amt für Migration und Integration, Sachbereichsleitung Integration
Telefon 07222 381-4325, E-Mail: t.hommer@landkreis-rastatt.de

Patricia Grabenbauer ist Projekt- und Ehrenamtskoordinatorin im Bereich Integration im Landratsamt Rastatt
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