Rems-Murr-Kreis investiert 10,6 Millionen Euro in technologieoffene Ausbildung für die Energiewende
An der Gewerblichen Schule Backnang sind die neuen Zukunftswerkstätten feierlich eröffnet worden. Nach fünf Jahren intensiver Planung und Umsetzung ist ein zukunftsweisender Lern- und Begegnungsort entstanden, an dem Schülerinnen und Schüler, Fachkräfte und die breite Öffentlichkeit moderne Mobilitäts- und Energietechnologien praxisnah erleben können. Der Rems-Murr-Kreis hat als Schulträger rund 10,6 Millionen Euro in das Projekt investiert. Das Landeswirtschaftsministerium förderte die Einrichtung der Zukunftswerkstätten im Rahmen der Förderung der „Lernfabriken 4.0“ an beruflichen Schulen in Baden-Württemberg mit rund 2,75 Millionen Euro.
Technologieoffen in die Zukunft
Das Besondere an den Zukunftswerkstätten ist ihr konsequent technologieoffener Ansatz: In modernen Werkstattkonzepten werden Elektroantriebe, Wasserstofftechnologie und der klassische Verbrennungsmotor gleichermaßen in den Unterricht eingebunden. So entsteht ein Lernumfeld, das Wissen nicht einseitig vermittelt, sondern jungen Menschen die gesamte Bandbreite moderner Mobilitätstechnologien eröffnet.
Landrat Dr. Richard Sigel unterstrich bei der Eröffnung die Bedeutung des Projekts: „Heute stärken wir die künftige Energieversorgung – technologieoffen und zukunftsgewandt. Wir wissen aktuell nicht, wie sich die Zukunft der Automobilwirtschaft entwickelt. Umso wichtiger ist es, unsere Nachwuchskräfte technologieoffen auszubilden – für alle Antriebsformen. Was hier entsteht, ist kein theoretisches Zukunftsmodell, sondern gelebte Praxis für eine starke Region."
“Für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft und die Erschließung von Wertschöpfungspotenzialen ist die Fachkräftesicherung einer der wichtigsten Faktoren. Die Zukunftswerkstätten setzen Maßstäbe für die berufliche Bildung von heute und morgen – anwendungsbezogen, praxisnah und modern. Damit stärken wir den Kompetenzaufbau und Wissenstransfer im Bereich Wasserstoff und gestalten erfolgreich den technologischen Wandel im Land“, so Thomas Dörflinger, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus, anlässlich der feierlichen Eröffnung.
Ein Energie-Parcours als Leuchtturmprojekt
Wasserstoffstrategie des Rems-Murr-Kreises trägt Früchte
Die Zukunftswerkstätten sind eingebettet in die umfassende Wasserstoffstrategie des Rems-Murr-Kreises, die der Kreistag bereits im Jahr 2020 einstimmig beschlossen hat. Erst vor wenigen Wochen fiel an der Wasserstofftankstelle in Waiblingen der Startschuss für Wasserstoffbusse im Remstal. Anfang 2027 geht dort zudem ein Elektrolyseur in Betrieb, der grünen Wasserstoff aus erneuerbaren Energien produziert. Die dabei entstehende Abwärme soll in das Wärmenetz der Stadt Waiblingen eingebunden werden.
„Wasserstoff ist bei uns Teil einer Gesamtstrategie für erneuerbare Energien. Mit Blick auf die Krisen in unserer Welt sind regionale Energieerzeugung, Wärmenutzung und Energiesouveränität wichtiger denn je", betonte Landrat Dr. Sigel. „Im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung heißt es: Baden-Württemberg soll ein Wasserstoffland werden. Ich finde: Im Rems-Murr-Kreis sind wir da schon ein gutes Stück weiter." Besonderer Dank gelte daher den Mitgliedern des Kreistags, die bereits 2020 den Weg der Wasserstoffstrategie einstimmig mitgegangen sind und die Finanzierung der Zukunftswerkstätten mehrheitlich mitgetragen haben.
Breite Finanzierung durch Land, Region und Stiftungen
Das Gesamtprojekt wird von mehreren Partnern getragen:
Finanzierungsbaustein | Betrag |
Investition Rems-Murr-Kreis | 10,6 Mio. Euro |
Förderung des Landes | ca. 2,75 Mio. Euro |
Kreissparkassen-Stiftung | 300.000 Euro |
Verband Region Stuttgart | Förderung Elektrolyseur-Anlage |
Landesstiftung Baden-Württemberg | Erlebnisraum „mobiles BW" |
Offene Plattform für Schulen, Unternehmen und Öffentlichkeit
Die neuen Werkstätten sind weit mehr als Unterrichtsräume: Sie verstehen sich als offene Plattform für Schulen, Unternehmen, Institutionen und die interessierte Öffentlichkeit. In enger Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben wird der Brückenschlag zwischen Ausbildung und Arbeitswelt ganz konkret hergestellt.
Dr. Isolde Fleuchaus, Schulleiterin der Gewerblichen Schule Backnang, sagte: „Wir eröffnen mit unseren neuen Werkstätten Zukunft für kommenden Generationen! Jugendliche erfahren praxisnah neue Energie- und Mobilitätstechnologien. Neugier, Innovationskraft und Motivation sind Voraussetzungen, dass zukünftiges Zusammenleben mit allen Herausforderungen der Welt von morgen möglich wird“.
Landrat Dr. Sigel dankte Schulleiterin Dr. Isolde Fleuchaus und Werkstattleiter Heribert Gantner stellvertretend für das gesamte Team der Gewerblichen Schule für das außerordentliche Engagement rund um den Energie-Parcours.
Der Rems-Murr-Kreis verfolgt seit 2020 eine umfassende Wasserstoffstrategie als Teil seiner Gesamtstrategie für erneuerbare Energien. Zu den Meilensteinen gehören die Wasserstofftankstelle in Waiblingen, der Einsatz von Wasserstoffbussen im Remstal sowie die Eröffnung der Zukunftswerkstätten an der Gewerblichen Schule Backnang. Ziel ist es, Energiesouveränität durch dezentrale, regionale Energieerzeugung zu stärken und gleichzeitig die Fachkräfte für die Energiewende von morgen auszubilden.