So lange wie möglich in den eigenen vier Wänden versorgt werden zu können, das wünscht sich ein Großteil der Bevölkerung. Um dies zu ermöglichen, sind teilweise Anpassungen des Wohnumfeldes und/oder die Nutzung diverser Hilfsmittel nötig.
Dabei unterstützt Frau Ulrike Betzler von der Wohnraumberatung „Wegweiser Technik“ im Landkreis Tuttlingen nicht nur mit gezielten Beratungen in der Häuslichkeit, sondern auch mit Führungen durch die Ausstellung „Zukunft – Zuhause!“ im Gesundheitszentrum Spaichingen.
Mehr als nur Hilfsmittel
Auf sechs Räume verteilt umfasst die Ausstellung 180m² mit zahlreichen klassischen Hilfsmitteln, Alltagshelfern, digitalen Technologien, baulichen Anpassungsmöglichkeiten, aber auch speziellen Hilfen für Menschen mit Demenz. Inhaltlich sind die Räumlichkeiten in verschiedene Schwerpunkte aufgeteilt und zeigen analoge, wie auch digitale Hilfsmittel, die das Leben mit diversen Einschränkungen selbstständiger und einfacher gestalten und auch pflegerische Hilfen erleichtern sollen.
Gezeigt werden z.B. Schrankliftsysteme, Ortungssysteme, Assistenz- und Kommunikationssysteme, Aufstehhilfen, ebenso wie (elektronische) Lesehilfen, Badehilfen, Smart Home Techniken, Hörverstärker oder Therapiespiele für an Demenz erkrankte Menschen. Ebenfalls können zahlreiche kleine Alltagshelfer wie Knöpfhilfen, Großtastentelefone, Besteckvariationen, Steckdosen mit Auswurfautomatik oder auch Griffverlängerungen ausprobiert werden. Auch ein funktionsfähiger Treppenlift kann getestet werden.
Individuelle Beratung im Vordergrund
Wichtig ist es Ulrike Betzler bei den Beratungen und Führungen aufzuzeigen, dass für jeden Menschen, jeden Bedarf und jedes Wohnumfeld individuell das passende Hilfsmittel gefunden werden muss. Sie betont: „Pauschal passend für alle ist quasi kein Hilfsmittel.“ Dies gilt auch für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Für Menschen im Rollstuhl z.B. muss anders gedacht und geplant werden als für gehfähige Menschen. Menschen mit Hör- oder Sehbehinderung benötigen andere Lösungen für „Barrierefreiheit“ als mobilitätseingeschränkte Personen. Deshalb werden in der Ausstellung „Zukunft – Zuhause!“ neben z.B. unterfahrbaren Küchenflächen oder einer „hide & slide“ Funktion des Backofens auch gezielt dazu Technologien aufgezeigt. Backofenknöpfe mit Sprachausgabe, ein Wecker mit Vibrationskissen, aber auch eine Klingelanlage mit Lichtblitzen als optisches Warnsignal sind nur ein paar Beispiele hierfür.
Am Puls der Zeit
Seit der Eröffnung im Jahr 2023 haben dies mehr als 1.150 Menschen bereits erleben können. Nachgefragt werden die Führungen durch Seniorenkreise, Jahrgangsgruppen, Pflegefachschulen, Nachbarschaftshilfen, aber auch Pflegedienste, ehrenamtlich Engagierte und pflegebedürftige Menschen sowie deren Angehörigen. „Wir sind dankbar, dass so viele Menschen unsere Ausstellungsfläche besucht haben. Auch für das laufende Jahr stehen bereits viele Führungstermine fest, die Nachfragen verringern sich nicht. Dies zeigt uns, dass wir ein wichtiges Thema bedienen und einen aktiven Beitrag zur bestmöglichsten häuslichen Versorgung leisten können“, so Ulrike Betzler. Die Ausstellungsfläche wird anhand der nachgefragten Themen so gut wie möglich immer wieder angepasst und aktualisiert.
Unverbindlichkeit und Neutralität
Der Vorteil der Trägerschaft des Landkreises ist die Neutralität und Unverbindlichkeit, durch die die Exponate ohne Kaufdruck angeschaut und ausprobiert und dabei Hemmungen und Ängste abgebaut werden können. Die Mitarbeiterinnen der Wohnberatungsstelle sowie des Pflegestützpunktes begleiten diese Prozesse und beraten individuell und situationsgerecht zu den Vor- und Nachteilen der einzelnen Hilfsmittel. Ziel dieser Beratungen ist, die Besucher und Besucherinnen zu befähigen möglichst selbstständig und lange im eigenen Wohnumfeld verbleiben zu können.
Klärung der Finanzierung
Neben der Klärung, welche Maßnahme oder welches Hilfsmittel passt, ist natürlich auch das Aufzeigen von Finanzierungsmöglichkeiten Bestandteil der Beratungen und Führungen. Hilfe bei der Antragstellung auf „wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“ und das Benennen von Hilfsmittelnummern ist durch die Wohnberatung möglich – jedoch ebenso auch klare Aussagen dazu, welche der Exponate ausschließlich auf Eigenkosten möglich sind.
Alle Räume und ein Großteil der ausgestellten Hilfsmittel können über einen virtuellen Rundgang (Stand 11/2023) über die Homepage der Fachstelle für Pflege und Selbsthilfe angeschaut werden: https://fps.landkreis-tuttlingen.de/Wohnraumberatung/Zukunft-Zuhause-/
Fachstelle für Pflege und Selbsthilfe
Telefon: 07461 926 4610
E-Mail: fps@landkreis-tuttlingen.de