„Landkreise, die ihre Klimaschutzmaßnahmen konsequent umsetzen und erneuerbare Energien ausbauen, werden unabhängiger von hohen Öl- und Gaspreisen. Zugleich stärken sie ihre regionale Wirtschaft, schaffen Arbeitsplätze und modernisieren ihre Infrastruktur“, sagt Jan Münster, Mitglied der Geschäftsführung der KEA-BW. „Umso wichtiger ist es, dass nach dem Ende des eea in Deutschland weiterhin passgenaue Klimaschutzmanagement-Systeme zur Verfügung stehen, mit denen die Landkreise ihre Klimaschutzaktivitäten nahtlos und systematisch fortführen können.“
Zwei Landkreise prämiert – und sechs weitere Kommunen
Die Preisverleihung fand in der Klima Arena in Sinsheim statt. Den European Energy Award Gold erhielt der Landkreis Böblingen. Das ist die höchste Auszeichnungsstufe in dem europäischen Zertifizierungssystem. Eine Kommune bekommt sie, wenn sie mindestens 75 Prozent der für sie möglichen Maßnahmen zur Energieeffizienz und zum Klimaschutz umgesetzt hat.
Nach der Prüfung im Jahr 2025 zeichnete das Umweltministerium zudem den Landkreis Rastatt mit dem European Energy Award aus. Damit prämiert wurden außerdem die Stadt Achern, die Gemeinde Altlußheim, die Stadt Bietigheim-Bissingen, die Stadt Eberbach, die Gemeinde Edingen-Neckarhausen und die Gemeinde Wiesenbach.
„Die Rolle der Kommunen beim Klimaschutz ist und bleibt zentral. Ein systematisches Vorgehen hilft, Energie effizient einzusetzen und verstärkt auf erneuerbare Energiequellen zu bauen. Das kommt den Kommunen und dem Klima zugute. Wichtig ist, dass die Gemeinden, Städte und Landkreise dabei Klimaschutzmanagement-Systeme nutzen und so ihre umfangreichen Anstrengungen sichtbar machen“, sagt Umwelt- und Energieministerin Thekla Walker.
Landkreis Böblingen für sein langjähriges Engagement prämiert
Der Landkreis Böblingen nahm zum vierten Mal in Folge den European Energy Award Gold mit nach Hause – bereits in den Jahren 2014, 2017 und 2021 war dies der Fall. Die Energieagentur Kreis Böblingen begleitet den Prozess und unterstützt den Landkreis bei der Umsetzung der Maßnahmen.
Als wirtschaftsstarker Landkreis sieht Böblingen Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung eng miteinander verbunden. Dazu zählen unter anderem der Ausbau erneuerbarer Energien, die Elektrifizierung der Schönbuchbahn und das Projekt Energiedrehscheibe Nord in Sindelfingen. Durch die Kombination aus Windenergie, Photovoltaik, Biomethan und Biomasse entsteht dort ein Energiestandort, der verschiedene erneuerbare Energiequellen miteinander verbindet und zur lokalen Energieversorgung beitragen soll.
„Der Landkreis Böblingen geht im Bereich Klimaschutz voran, da es für uns eine ökologische und eine ökonomische Zukunftsaufgabe ist“, so der Böblinger Landrat Roland Bernhard. „Lokale, regenerative Energiegewinnung bedeutet mehr Krisenresilienz, mehr Wertschöpfung vor Ort und mehr Klimaschutz – auch in Anbetracht der volatilen Weltsituation.“
Landkreis Rastatt: Klimaschutz als zentrales Leitprinzip
Der Landkreis Rastatt treibt den Klimaschutz seit vielen Jahren strategisch voran. Basis ist ein Teil-Klimaschutzkonzept, das Maßnahmen zur Wärmewende, Energieeffizienz und CO₂-Reduktion bündelt. Sichtbare Erfolge sind beispielsweise der Ausbau von PV-Anlagen auf kreiseigenen Gebäuden, der innovative Solar-Campus Bühl und die Energiesparaktionen für Bürgerinnen und Bürger. Das Zukunftsprogramm 2035 verankert darüber hinaus Klimaschutz als zentrales Leitprinzip und gibt die strategische Richtung für eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung des Landkreises vor.
Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die enge Zusammenarbeit mit den Kommunen und der Energieagentur Mittelbaden. Durch Beratung, Netzwerkarbeit und gemeinsame Austauschformate werden Maßnahmen effizient abgestimmt und in die Fläche getragen. Auch künftig setzt der Landkreis auf den Ausbau erneuerbarer Energien, die Stärkung nachhaltiger Mobilität und verfolgt konsequent das Ziel, bis 2035 eine bilanzielle Energieautarkie zu erreichen.
„Klimaschutz ist für unseren Landkreis Ansporn und Verpflichtung zugleich. Der European Energy Award bestätigt unseren Weg und motiviert uns, nachhaltige Lösungen weiter auszubauen“, sagt Landrat Prof. Dr. Christian Dusch.
Klimaschutzaktivitäten effizient vorantreiben
Städte und Gemeinden im Südwesten konnten von 2006 bis Ende 2025 am European Energy Award (eea) teilnehmen, Landkreise seit 2010. 28 von 35 Landkreisen haben das Programm genutzt. Bei den Städten und Gemeinden waren es 153 und ein Gemeindeverwaltungsverband. Damit hatte Baden-Württemberg im Vergleich zu den anderen Bundesländern die meisten eea-Kommunen in Deutschland: Mehr als die Hälfte der Städte, Gemeinden und Landkreise, die deutschlandweit am European Energy Award teilnahmen, stammten von dort. Rund 15 Prozent der Kommunen im Südwesten haben sich beteiligt.
Europaweit nehmen derzeit rund 1.900 Kommunen aus 16 Ländern teil. Das deutsche Programm in seiner bisherigen Form wurde durch den privaten Träger zum Ende 2025 bundesweit eingestellt, das europäische Programm besteht weiterhin.
Klimaschutz-Potenziale mit den neuen Klimaschutzmanagement-Systemen erschließen
Eine strukturierte und systematische Vorgehensweise ist entscheidend, wenn Kommunen Klimaschutzmaßnahmen wirksam und dauerhaft umsetzen wollen. Nach dem Aus des eea in Deutschland gibt es inzwischen neue Instrumente, die Kommunen dabei unterstützen, ihre Klimaschutzarbeit gezielt voranzubringen. Dazu gehört seit April 2026 die Klimakommune Deutschland. Das bundesweite Klimaschutzmanagement-System knüpft an die international anerkannten Standards des eea an, hat ein hohes Maß an Anschlussfähigkeit für Kommunen, die den bisherigen Prozess bereits genutzt haben und begleitet Kommunen mit einem qualitätsgesicherten Managementprozess. Die regionalen Energie- und Klimaschutzagenturen oder andere Dienstleister unterstützen die Kommunen dabei.
Zugeschnitten auf Baden-Württemberg steht außerdem seit Mitte 2025 mit der Zukunftskommune ein weiteres Klimaschutzmanagement-System zur Verfügung. Der pragmatische Einstieg für kleine und mittlere Kommunen, die mehr für den Klimaschutz tun möchten als bisher, wurde von zwei regionalen Energie- und Klimaschutzagenturen in Baden-Württemberg entwickelt und bereits in Pilotkommunen eingeführt. Die Nutzung ist inzwischen auch für Landkreise möglich. Auch bei diesem Ansatz können die Kommunen auf die externe Beratung und praxisnahe Begleitung durch die regionalen Energie- und Klimaschutzagenturen zählen. Welche Lösung für eine Kommune am besten passt, hängt von Größe, Zielsetzung und vorhandenen Strukturen ab.
Beide Klimaschutzmanagement-Systeme setzen verstärkt auf die Einbindung der 33 regionalen Klimaschutz- und Energieagenturen im Land. Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) hat das eea-Programm im Südwesten über viele Jahre koordiniert. Sie steht den Kommunen nun auch für die neuen Systeme als wichtige Anlaufstelle im Land zur Verfügung.
Die eea-Preisträgerkommunen 2026
Informationen zu den ausgezeichneten Kommunen gibt es unter www.kea-bw.de/eea-preistraeger-2026
Weitere Informationen zu den neuen Klimaschutzmanagement-Systemen
Welche Klimaschutzmanagement-Systeme künftig für Kommunen verfügbar sind und an wen sie sich wenden können, präsentiert die KEA-BW auf ihrer Internetseite: www.kea-bw.de/kommunaler-klimaschutz/angebote/klimaschutz-systeme. Die Angebote unterstützen kommunale Verwaltungen dabei, Klimaschutz systematisch anzugehen. Sie erfassen, bewerten und überprüfen regelmäßig die lokalen Maßnahmen und Aktivitäten. Fachleute, häufig aus den regionalen Energie- und Klimaschutzagenturen, begleiten die Kommunen, analysieren den bisherigen Stand und zeigen Verbesserungsmöglichkeiten auf.
Allgemeine Klimaschutztipps für Kommunen
Was Kommunen machen können und wie sie am besten vorgehen: www.kea-bw.de/kommunaler-klimaschutz
Gute Beispiele sind auf der Karte Klimaschutzland Baden-Württemberg zu finden: www.kea-bw.de/klimaschutzland-bw