European Energy Award

Fünf Landkreise im Südwesten ausgezeichnet

Am 21. Februar 2025 haben 35 im Klimaschutz engagierte Kommunen aus Baden-Württemberg den European Energy Award (eea) erhalten. Darunter waren auch fünf Landkreise. Staatssekretär Dr. Andre Baumann verlieh die europaweite Auszeichnung. Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) koordiniert die eea-Aktivitäten im Land.
Nadine Derber · KEA-BW · 26. Februar 2025
Staatssekretär Dr. Andre Baumann bei seiner Rede
Staatssekretär Dr. Andre Baumann bei seiner Rede
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Im Rahmen des europäischen Zertifizierungsverfahrens treiben Kommunen den Klimaschutz auf ihrem Gebiet systematisch voran. Das eea-Label wird jährlich an diejenigen verliehen, die die Zertifizierung erstmalig oder zum wiederholten Mal erfolgreich durchgeführt haben. Insgesamt wurden 21 Städte, acht Gemeinden, ein Gemeindeverwaltungsverband und fünf Landkreise prämiert. Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) koordiniert die eea-Aktivitäten im Land. Im Südwesten nehmen 182 Städte, Gemeinden und Landkreise am eea-Prozess teil. Die Preisverleihung fand auf Einladung der diesjährigen Gold-Preisträger-Kommune Freiburg in deren Historischem Kaufhaus statt.

„Wer das Klima schützt, schützt die Menschen im Land. Der Klimawandel und seine Folgen sind längst für uns alle sichtbar und spürbar. Gegensteuern duldet keinen Aufschub mehr. Deshalb ist es toll zu sehen, wie Kommunen die notwendigen Veränderungen tatkräftig und zielstrebig angehen. Die heute Ausgezeichneten gehen erfolgreich neue Wege in Sachen Energie, sie gehen achtsamer mit Ressourcen um und schützen unsere Lebenswelt. Damit leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele und stellen sich selbst zukunftsfest auf“, sagt Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg.

„Die im European Energy Award aktiven Kommunen treiben den Klimaschutz mit zahlreichen Maßnahmen systematisch und strukturiert voran. Aktiver Klimaschutz schafft mehr Jobs durch Zukunftstechnologien, stärkt die heimische Wirtschaft, senkt die Energiepreise durch günstigen erneuerbaren Strom und macht weniger abhängig von Öl- und Gasimporten“, sagt Dr. Volker Kienzlen, Geschäftsführer der KEA-BW.
 

21 Städte, acht Gemeinden, ein GVV und fünf Landkreise prämiert

Den European Energy Award erhielten der Enzkreis, der Landkreis Ravensburg, der Landkreis Tuttlingen, der Schwarzwald-Baar-Kreis und der Zollernalbkreis. Auf Städteebene prämiert wurden Bad Dürrheim, Bad Schussenried, Bad Wurzach, Bretten, Bruchsal, Eislingen/Fils, Freiburg, Hechingen, Herrenberg, Karlsruhe, Kornwestheim, Kuppenheim, Lörrach, Meßkirch, Nagold, Oberderdingen, Ochsenhausen, Remseck am Neckar, Schwäbisch Hall, Steinheim an der Murr und Weinheim.

Bei den Gemeinden können sich Bietigheim, Elchesheim-Illingen, Hattenhofen, Horgenzell, Ötigheim, Pfinztal, Steinmauern sowie Weingarten (Baden) über die Auszeichnung freuen. Eine Auszeichnung erhielt auch der Gemeindeverwaltungsverband (GVV) Fronreute-Wolpertswende. Von den 35 prämierten Kommunen erhielten Bad Schussenried, Freiburg, Hattenhofen, Karlsruhe, Lörrach, Schwäbisch Hall, der Enzkreis und der Landkreis Ravensburg den eea Gold. Sie erzielten mehr als 75 Prozent der möglichen Klimaschutzpunkte.
 

eea-Anforderungen werden ab 2025 deutlich verschärft

Sechs der 35 prämierten Kommunen im Land, Bad Dürrheim, Hechingen, Weinheim, der Schwarzwald-Baar-Kreis, der Zollernalbkreis und der Landkreis Tuttlingen, wurden anhand der neuen eea-Kriterien zertifiziert. Der sogenannte „eea 3.0“ stellt höhere Anforderungen als bisher und legt den Schwerpunkt stärker auf die Zielsetzung der Treibhausgasneutralität. Die Neubewertung wird ab 2025 auf alle Kommunen übertragen. Da die Zertifizierung mit dem eea 3.0 strenger ist, erreichen die teilnehmenden Kommunen erst einmal weniger Prozentpunkte als bislang – trotz gleicher oder sogar intensiverer Klimaschutzbemühungen.
 

Der eea überprüft regelmäßig die Klimaschutzaktivitäten

Jedes Jahr werden die Kommunen ausgezeichnet, die bei der Überprüfung mehr als 50 der möglichen 100 Klimaschutzpunkte erreicht haben. Die Zertifizierung mit dem Award gilt für maximal vier Jahre. Anschließend müssen die Kommunen unter Beweis stellen, dass sie weitere Maßnahmen in der Energie- und Klimapolitik ergriffen haben, um erneut zertifiziert zu werden

Städte und Gemeinden im Südwesten können seit 2006 am eea teilnehmen, Landkreise seit 2010. 28 von 35 Landkreisen nutzen aktuell den eea. Bei den Städten und Gemeinden sind es 153 und ein Gemeindeverwaltungsverband. Damit hat Baden-Württemberg im Vergleich zu den anderen Bundesländern die meisten eea-Kommunen in Deutschland: Mehr als die Hälfte der Städte, Gemeinden und Landkreise, die deutschlandweit am European Energy Award teilnehmen, stammen von dort. Rund 15 Prozent der Kommunen im Südwesten beteiligen sich. Europaweit sind es 1.875 Kommunen aus 16 Ländern – knapp zehn Prozent der teilnehmenden Kommunen kommen aus Baden-Württemberg.
 

Klimaschutz-Potenziale mit dem eea erschließen

Der eea unterstützt die kommunalen Verwaltungen bei der Arbeit. Das Klimaschutzlabel erfasst, bewertet und überprüft regelmäßig die Maßnahmen und Aktivitäten auf lokaler Ebene. „Ein solches Vorgehen zahlt sich aus, da dadurch alle Potenziale systematisch ausgeschöpft werden können“, sagt Volker Kienzlen von der Landesenergieagentur KEA-BW. Akkreditierte eea-Beratende, im Land oft Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der regionalen Energie- und Klimaschutzagenturen, unterstützen die kommunalen Verwaltungen dabei. Sie greifen den Kommunen unter die Arme, analysieren die bisherigen Maßnahmen und zeigen Optimierungsmöglichkeiten auf.

Verlegung von Wärmenetzrohren in Offenburg
Verlegung von Wärmenetzrohren in Offenburg
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Enzkreis erhält Auszeichnung

Der Enzkreis ist zum vierten Mal mit dem European Energy Award Gold ausgezeichnet worden; diese Auszeichnung haben nur 15 Landkreise in der Republik. Das Enzkreisteam ist seit 2010 engagiert dabei, die Klimaziele zu erreichen. Der eea ist dabei eingebettet in ein neues Treibhausgasneutralitätskonzept und die 17 Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030. Besonders hervorzuheben sind die enge Zusammenarbeit mit der Klimaschutz- und Energieagentur keep, die für den Enzkreis und die Stadt Pforzheim arbeitet. Ein Alleinstellungsmerkmal ist auch das landesweit einmalige Denkmalnetzwerk, das zu den besonderen energetischen Herausforderungen alter Bausubstanz berät. Ein Klimakoordinator bringt neuerdings für sieben Gemeinden den Klimaschutz voran und ist in das Team beim Landkreis integriert.

„Unsere Kommune setzt beim Klimaschutz auf das neue Treibhausgasneutralitätskonzept und den eea, um das Klimaziel 2040 zu erreichen. Wir werden unserer globalen Verantwortung gerecht, auch durch unsere Klimapartnerschaft mit Tansania und freiwilligen Kompensationsprojekten im globalen Süden“, sagt Landrat Bastian Rosenau.
 

Landkreis Ravensburg prämiert

Der Landkreis Ravensburg kann auf erfolgreiche Jahre der Energiewende und des Klimaschutzes zurückblicken. Die Verschärfung der Klimaschutzziele im Rahmen der Klimaschutzstrategie bildete dabei den Auftakt für verschiedene Projekte. Insbesondere im Bereich Solarkraft werden Informationsveranstaltungen durchgeführt, Beratungen durch PV-Scouts angeboten und über steckerfertige PV-Anlagen aufgeklärt. Angeboten werden darüber hinaus Energieberatungen für einkommensschwache Haushalte. Der Leitfaden für nachhaltiges Bauen, die Erstellung der Klimabilanz, die Abfallvermeidungsstrategie, der Ausbau von ÖPNV und Radwegenetzen sind weitere Projekte, die der Landkreis aktiv betreibt.

Der erfolgreiche Weg des Landkreises Ravensburg im Klimaschutz soll in Zukunft konsequent fortgesetzt werden, insbesondere durch die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen im Bereich der klimaneutralen Verwaltung. Zudem wird der Ausbau erneuerbarer Energien weiterhin aktiv vorangetrieben werden.

„Der Landkreis Ravensburg möchte den besonderen Lebensraum der Region und die natürlichen Ressourcen für folgende Generationen bewahren. Er geht im Klimaschutz selbst mit gutem Beispiel voran und bindet außerdem die Bürgerinnen und Bürger durch zahlreiche Bildungs- und Aufklärungsprojekte aktiv in die Klimaschutzbemühungen ein“, sagt Thomas Lötsch, Dezernent für Kreisentwicklung, Wirtschaft und ländlicher Raum.
 

eea für Landkreis Tuttlingen

Der Landkreis Tuttlingen ist bereits seit vielen Jahren im Klimaschutz aktiv. Seit 2012 nimmt der Landkreis am eea Teil, Ende 2024 fand das dritte externe Audit statt. Die kommunalen Liegenschaften des Kreises werden sukzessive modernisiert und der Anteil erneuerbarer Energien im Bereich Wärme wie auch Strom gesteigert. Zuletzt wurde auf dem Dach des Landratsamts eine PV-Anlage zur Eigenstromnutzung installiert. Der Windausbau wird im Landkreis, wo es möglich ist, vorangetrieben, mit drei Windparks ist der Kreis hier bereits gut unterwegs.

In Kooperation mit der Klimaschutz- und Energieagentur wird im Landkreis Tuttlingen viel Wert auf Informationsvermittlung gelegt. Es werden von der Vorschule bis zur 13. Klasse Schulprojekte durchgeführt, um das Thema Energie und Klima frühzeitig bei den Kindern und Jugendlichen zu platzieren. Im Freilichtmuseum Neuhausen wurde das Thema ebenfalls aufgegriffen, und so kann man beim Besuch des Museums etwas über die Entwicklung von Energieerzeugung und -nutzung erfahren. Ein weiterer wichtiger Baustein zum Thema Ressourcenschutz ist die Einführung eines Tauschcontainers am Wertstoffhof, um noch gut brauchbaren Gegenständen ein „zweites Leben“ und somit eine nachhaltigere Nutzung zu verleihen.

„Der Landkreis Tuttlingen möchte seiner Vorbildrolle gerecht werden und die wichtigen Themen Energieeffizienz und Klimaschutz auch mit den Versorgern und Kreiskommunen im Dialog gemeinsam bearbeiten. Neben der Nutzung von Sonne und Wind legen wir den Fokus auf eine Anbindung an Wasserstoff“, erklärt Stefan Bär, Landrat des Landkreises Tuttlingen.
 

Schwarzwald-Baar-Kreis ausgezeichnet

Der Schwarzwald-Baar-Kreis nimmt seit 2022 am European Energy Award teil und wurde im Dezember 2024 erstmals zertifiziert. Die Landkreisverwaltung hat ein Solardachkataster erstellt. Auf dieser Grundlage werden neue Photovoltaikanlagen auf den Dächern der kreiseigenen Liegenschaften realisiert. Von insgesamt 21 Liegenschaften des Landkreises, die im Energiebericht berücksichtigt wurden, werden seit Ende 2024 lediglich drei durch eine reine Gasheizung betrieben.

Der Schwarzwald-Baar-Kreis bildete am 1. Januar 2023 gemeinsam mit den Landkreisen Rottweil und Tuttlingen den Verkehrsverband Move. Dadurch wurde das Ticketsystem deutlich vereinfacht und vergünstigt. Eine zentrale Rolle als Ansprechpartner spielt die Klimaschutz- und Energieagentur Schwarzwald-Baar-Heuberg (KLEA). Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KLEA bieten neutrale Beratungen für Bürgerinnen und Bürger sowie für Unternehmen, eine aktive Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Energie und Klimaschutz plus Unterstützung der Kommunen bei ihren Klimaschutzaktivitäten an.

„Im Schwarzwald-Baar-Kreis haben Energie und Klimaschutz schon immer einen hohen Stellenwert eingenommen. Klimaschutz wird bei uns ganz pragmatisch umgesetzt. Gebäudesanierungen, der ÖPNV als Alternative zum Individualverkehr, unser Naturschutzgroßprojekt Baar und viele weitere Maßnahmen bringen uns Schritt für Schritt weiter, um unseren Beitrag dazu zu leisten, dem Klimawandel entgegenzuwirken“, sagt Landrat Sven Hinterseh, Landkreis Schwarzwald-Baar-Kreises.
 

Auch der Zollernalbkreis erhält den eea

Der Zollernalbkreis nimmt seit 2012 am European Energy Award teil und wird 2025 bereits zum vierten Mal ausgezeichnet. Mit dem Beschluss der Fortschreibung des Energie- und Klimaschutzkonzeptes Ende 2024 führt der Kreis seine erfolgreiche Arbeit im Bereich der Energie- und Mobilitätswende fort. Die 44 strategisch angelegten Maßnahmen werden im eea-Prozess in operative Projekte überführt, um die Energie- und Mobilitätswende im Zollernalbkreis weiter zu beschleunigen.

Durch innovative Sanierungsprojekte und Ersatzneubauten sowie die „PV- und Heizungsoffensive“ über alle Kreisliegenschaften hinweg setzt die Landkreisverwaltung den Weg hin zu einem klimaneutralen kommunalen Gebäudebestand konsequent weiter fort mit der großen Zielsetzung, eine weitestgehend treibhausgasneutrale Kommunalverwaltung bis zum Jahr 2040 zu erreichen.

„In einer Zeit, in der Klimapolitik in unserer Gesellschaft heiß diskutiert wird, setzt der Zollernalbkreis auf gemeinsame Anstrengungen von Politik, Wirtschaft sowie Bürgerinnen und Bürgern, um eine gesunde Energiewende voranzubringen sowie die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft und eine robuste Energieversorgung zu gewährleisten“, erklärt Günther-Martin Pauli, Landrat des Zollernalbkreises.

Nadine Derber leitet das Kompetenzzentrum Kommunaler Klimaschutz der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW).
Nadine Derber leitet das Kompetenzzentrum Kommunaler Klimaschutz der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW).
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Informationen zu den ausgezeichneten Kommunen und dem European Energy Award gibt es unter www.kea-bw.de/eea-preistraeger-2025.

Weitere Klimaschutztipps für Kommunen

Was Kommunen machen können und wie sie am besten vorgehen:

www.kea-bw.de/kommunaler-klimaschutz

Gute Beispiele sind auf der Karte Klimaschutzland Baden-Württemberg zu finden. Hier stehen auch alle zertifizierten eea-Kommunen: https://www.kea-bw.de/klimaschutzland-bw
 

Landesgeschäftsstelle des European Energy Award (eea)

Sandra Frorath-Koster, sandra.frorath-koster@kea-bw.de, 01522 1892853

Claire Mouchard, claire.mouchard@kea-bw.de, 0172 3684740

www.kea-bw.de/eea
 

Programm, Links und Informationen zur EEA-Verleihung am 21. Februar 2025:

www.kea-bw.de/veranstaltung/eea-verleihung-2025

Nadine Derber leitet das Kompetenzzentrum Kommunaler Klimaschutz der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW)
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