Keine Frage nach dem Warum oder Wofür!

Servicestelle fördert ehrenamtliches Engagement im Neckar-Odenwald-Kreis

Sie fragen nicht nach dem Warum oder dem Wofür. Sie setzen sich aus Überzeugung für die Allgemeinheit ein, für ein Miteinander und eine funktionierende Gesellschaft. Tag für Tag sind es Ehrenamtliche, die dazu beitragen, dass der Neckar-Odenwald-Kreis eben nicht nur ein geografischer Raum ist, sondern ein Zuhause.
Jan Egenberger · Neckar-Odenwald-Kreis · 12. Dezember 2025
Das Ehrenamtsevent ist ein wichtiges Standbein der Anerkennungskultur des Neckar-Odenwald-Kreises. Unser Foto zeigt den Auftritt von „Café del Mundo“ beim diesjährigen Event in Aglasterhausen.
Das Ehrenamtsevent ist ein wichtiges Standbein der Anerkennungskultur des Neckar-Odenwald-Kreises. Unser Foto zeigt den Auftritt von „Café del Mundo“ beim diesjährigen Event in Aglasterhausen.
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Das bürgerschaftliche Engagement hat zahlreiche Facetten: in Selbsthilfegruppen, für Schulen oder Kirchen, in Sportvereinen oder der Feuerwehr und anderen Blaulichtorganisationen, im Kindergarten oder in Senioreneinrichtungen. Überall wo Menschen füreinander da sind, ist das Ehrenamt spürbar. Und genau diesen Einsatz fördert das Ehrenamtszentrum Neckar-Odenwald inzwischen seit über zehn Jahren. Mit gemeinsamen Aktivitäten, der Schulung von Freiwilligen und der Unterstützung vielfältiger vereinsgebundener Arbeit im Kreis. 
 

Das Ehrenamtszentrum als Servicestelle der Landkreisverwaltung

Schon früh hat der Landkreis den Wert des Ehrenamts erkannt und 2001 zur Entwicklung und Förderung eine Freiwilligenbörse eingerichtet. „Im Dezember 2012 wurden die Aufgaben dann mit der Zielstellung, auch für die vereinsgebundene ehrenamtliche Arbeit im Neckar-Odenwald-Kreis eine spezielle Anlauf- und Servicestelle zu schaffen, erweitert. Daraus entstand das Ehrenamtszentrum Neckar-Odenwald, das heute im gesamten Kreisgebiet fest etabliert ist und bei Fragen rund um das Ehrenamt von vielen Aktiven und Vereinsvorständen immer wieder dankbar zu Rate gezogen wird“, erklärt Volker Noe, der Leiter des Zentrums seit dem Start der Einrichtung. Das Zentrum ist somit eine Freiwilligkeitsleistung des Landkreises, die auch in Zeiten knapper Kassen sowohl in der Verwaltung als auch im Kreistag größte Unterstützung erfährt. „Unser Ehrenamtszentrum ist eine Institution, um die uns viele andere ausdrücklich beneiden. Denn das Zentrum bietet echte Unterstützung für das Ehrenamt – und anders als andere Konstrukte bürokratiefrei und absolut niedrigschwellig“, betont Landrat Dr. Achim Brötel. So habe man den hohen Stellenwert des Ehrenamts nicht nur erkannt, sondern unterstütze ihn eben auf diese Weise aktiv.
 

Markenzeichen Vereinslandschaft

Ein Markenzeichen des Landkreises ist die vielfältige und bunte Vereinslandschaft: Über 1.400 eingetragene Vereine, die sich in den unterschiedlichsten Bereichen engagieren. Gerade in kleineren Ortschaften sind sie für das öffentliche Leben und das soziale Miteinander existenziell. Trotz schwieriger werdender Rahmenbedingungen finden sich immer wieder Bürgerinnen und Bürger, die in ihrer Freizeit mit viel Hingabe und Idealismus Verantwortung übernehmen und sich in den verschiedensten Ämtern und Funktionen engagieren. „Das Ehrenamtszentrum steht ihnen beratend zur Seite, will Fragen lösen, Vorstände auch vor Ort begleiten. So stellen wir sicher, dass das Ehrenamt Freude macht und nicht an Formalien scheitert“, unterstreicht Noe. Besonders bei der Nachfolge von Vorstandsfunktionen könne man durch gezielte Informationen und eine breitere Aufgabenverteilung neue Kandidaten finden und so auch Vakanzen oder gar Vereinsauflösungen verhindern.  

Aktuelle Änderungen oder kurzfristige Informationen werden beispielsweise mit einem Newsletter flächendeckend über den Landkreis genau an der richtigen Stelle kommuniziert. Der Verteiler wird ständig erweitert und umfasst derzeit rund 1.500 Adressen. Der Online-Auftritt reicht von Hinweisen zu den grundlegendsten Aspekten des Engagements über einen FAQ-Bereich bis hin zur Download-Möglichkeit diverser Vordrucke und Muster. Außerdem werden in enger Zusammenarbeit mit den Dachverbänden Informations- und Schulungsveranstaltungen angeboten. Den größten Zuspruch erfahren dabei die „Liftkurse“, die sich speziell an neu ins Amt gekommene oder künftige Funktionsträger richten. Themen von A wie Amtsgericht über G wie GEMA bis hin zu Z wie Zuwendungsempfängerregister werden hier erörtert. 

Im Laufe der Zeit haben sich in der Arbeit des Zentrums Themenschwerpunkte herauskristallisiert, die häufig nachgefragt werden. „Die größten Unsicherheiten gibt es bei der Zusammenarbeit mit dem Vereinsregister im Rahmen der Eintragung von Satzungs- und Vorstandsänderungen. Weitere häufige Anfragen betreffen die Gemeinnützigkeit, die Zusammenarbeit mit der GEMA oder die Absicherung im Ehrenamt“, so Noe, der selbst vielfältig ehrenamtlich engagiert ist.

Es zeigt sich, dass im bürgerschaftlichen Engagement verschiedenste Charaktere und Persönlichkeiten mit teilweise sehr hohen Erwartungen und Bedürfnissen, die nicht immer erfüllt werden können, tätig sind. Aber auch neue Entwicklungen spielen eine Rolle: Das Ehrenamt wird jünger, weiblicher und vielfältiger. Immer öfter entstehen Dorf- oder Bürgervereine, die das Gemeinwohl im Blick haben und in deren Zielen sich die gesamte Einwohnerschaft wiederfinden kann. Von großer Bedeutung bei der Arbeit im und mit dem Ehrenamt sind persönliche Kontakte zu Beteiligten im Ehren- als auch im Hauptamt. Diese erleichtern die Vernetzung der Engagierten und bauen Hemmungen ab. „Ein bekanntes Gesicht fragt man eher um Rat als einen Unbekannten“, stellt Noe fest. 
 

Das Ehrenamtsevent: Eine besondere Form der Anerkennungskultur 

Wertschätzung ist dabei nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern auch gelebte Praxis. Neben dem Ehrenamtszentrum hat sich im Neckar-Odenwald-Kreis das Ehrenamtsevent als zweites Standbein zur Würdigung etabliert. Damit sagt der Landkreis seit 2009 „Danke“ an alle Bürgerinnen und Bürger, die sich einbringen. Die Veranstaltungsorte wandern jährlich wechselnd durch das gesamte Kreisgebiet und die Programme werden stets von Akteuren aus dem beziehungsweise mit Wurzeln im Neckar-Odenwald-Kreis bestritten. Dieses Event bringt bis zu 1.000 Engagierte zusammen. Nach dem Programm wird der Abend durch einen Stehempfang mit kühlen Getränken und einem kleinen Imbiss abgerundet. Aber auch abseits der großen Bühne erfahren die Aktiven Unterstützung: Städte und Gemeinden unterstützen im Rahmen ihrer Möglichkeiten, wie unentgeltliche Bereitstellung von Räumlichkeiten, dem Einsatz des Gemeindebauhofs bei der Vorbereitung von Festen und Veranstaltungen, dem Bezuschussen von Baumaßnahmen und Anschaffungen oder mit Ehrungsabenden zur Würdigung der erbrachten Leistungen. 

„Das Ehrenamtszentrum ist so mehr als eine Servicestelle. Es ist die Brücke zwischen Vereinen, Engagierten und Verwaltung“, sagt Volker Noe. Und es sei Ausdruck dessen, dass Ehrenamt nicht als Pflicht verstanden werde, sondern als Freude und als Herzstück der Gemeinschaft. Dies ist auch die Überzeugung von Landrat Brötel: „Das Ehrenamt macht im Neckar-Odenwald-Kreis einfach den Unterschied zwischen dem bloßen Nebeneinander und einem echten Miteinander aus.“

Jan Egenberger ist Pressesprecher und Leiter der Stabsstelle Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit im Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis
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