Haushaltssicherung im Hohenlohekreis

Konsolidieren, bevor der Kollaps kommt

Die Finanzlage der Kommunen in Baden-Württemberg ist alarmierend. Vor diesem Hintergrund wurde im Zusammenhang mit der Haushaltsaufstellung 2026 ein Haushaltssicherungsverfahren angestoßen. Es ist ein Beispiel dafür, wie eine systematische Konsolidierung kurzfristig Schaden abwenden und zugleich den Grundstein für eine nachhaltige Haushaltsstabilisierung legen kann.
Michael Schellmann · Hohenlohekreis · 27. März 2026
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Die Ausgangslage für das Haushaltsjahr 2026 zeigte ein rechnerisches Defizit von minus 12,7 Mio. €. Damit verschlechterte sich die Situation im direkten Vergleich zur bereits für 2025 prognostizierten Negativentwicklung von minus 1,4 Mio. € dramatisch. Vor diesem Hintergrund war es unabdingbar, einen strukturierten Haushaltssicherungsprozess einzuleiten. Ziel war nicht nur, akute Liquiditätsprobleme zu vermeiden, sondern auch die langfristige Leistungsfähigkeit des Kreises sicherzustellen.

Diesen Prozess startete die Kreisverwaltung im April/Mai 2025. Die erste Phase verfolgte drei Kernziele: kurzfristige Liquidität sicherstellen, Defizit reduzieren und notwendige Investitionen für 2026 absichern.

Dafür waren klare Vorgaben und eine hohe Budgetdisziplin unabdingbar. Alle Fachämter mussten ihre Ansätze 2026 verbindlich an denen des Vorjahres ausrichten, bereinigt um Sonderthemen. Bei der Stellenplanung erfolgte eine Nullrunde. Neue Planstellen wurden ausschließlich für bereits vom Kreistag genehmigte Stellen geschaffen. Jeder Ausgabenposten wurde auf Notwendigkeit, Priorität und Höhe geprüft. Einzelne Projekte und Maßnahmen, die nicht unmittelbar erforderlich waren, wurden in die Folgejahre verschoben oder zeitlich gestreckt. Erhöhte Planungsrisiken wurden vor allem bei den Transferaufwendungen bewusst in Kauf genommen. Dies zieht in der Bewirtschaftung ein enges Finanzcontrolling nach sich, um Abweichungen frühzeitig zu erkennen und steuernd eingreifen zu können. Dieses Controlling umfasste auch eine regelmäßige Risikobewertung, Szenario-Rechnungen und gegebenenfalls Nachsteuerungsmaßnahmen.

Auf der Ertragsseite wurden sämtliche rechtlich und sachgerecht realisierbaren Einnahmen ausgeschöpft. Dazu gehörten Gebühren- und Entgeltanpassungen, die Überprüfung von Leistungsentgelten und der Verkauf nicht benötigter kreiseigener Liegenschaften.

Durch das konzertierte Vorgehen konnte das drohende Defizit auf minus 1,9 Mio. € eingedämmt werden – eine Verbesserung um über 10 Mio. €. Diese Entlastung ermöglichte es auch, Rücksicht auf die finanziell angespannten Städte und Gemeinden des Kreises zu nehmen: Die Kreisumlage wurde nur moderat von 35,0 % auf 35,5 % erhöht. Damit wurde ein ausgewogenes Verhältnis zwischen eigener Haushaltskonsolidierung und der finanziellen Leistungsfähigkeit der Kommunen im Kreisgebiet gewahrt.

Trotz der strikten Sparmaßnahmen war es möglich, wichtige Investitionen nicht zu vernachlässigen. Priorisiert wurden vor allem Vorhaben in den Bereichen Krankenhausversorgung, Bildung und Schulen, Straßeninfrastruktur sowie die Unterbringung der Verwaltung. Auch Projekte im ÖPNV-Bereich, namentlich zur Stärkung der Hohenlohebahn, blieben auf der Agenda. Die Auswahl erfolgte anhand von Kriterien wie Dringlichkeit, Förderfähigkeit, gesamthaftem Nutzen und Nachhaltigkeit.

Allerdings kann dieser Kraftakt in dieser Form nicht beliebig oft wiederholt werden. Ergänzend zu diesem Teil 1 des Haushaltssicherungsprozesses folgt nun der Teil 2, mit dem nachhaltig auf den bisherigen Erfolgen aufgebaut werden soll.

In diesem bereits begonnenen zweiten Teil des Haushaltssicherungsprozesses geht es um die strategische Neuausrichtung. In einer Klausur im Mai 2026 werden die Kreistagsfraktionen anschließend gemeinsam mit der Verwaltungsspitze und den Fachdezernaten die Weichen stellen. Dabei geht es vor allem um eine nachhaltige Finanzpolitik und die Erhaltung der dauerhaften Handlungsfähigkeit des Kreises, wobei die Aufgabenwahrnehmung, Strukturfragen und Prozessoptimierung sowie die Digitalisierung im Mittelpunkt stehen.

Eine wichtige Grundlage in einem Haushaltssicherungsprozess ist ein frühzeitiges Agieren sowie ein sofortiges, konsequentes Controlling, um ein unkontrolliertes Auseinanderdriften der Haushaltszahlen zu vermeiden. Verbindliche Sparmandate schaffen dabei Transparenz und Disziplin.

Von zentraler Bedeutung sind ein offener Dialog und die Einbindung aller Beteiligten. Nur wenn Politik und Verwaltung unter Einbeziehung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammenarbeiten, entstehen Akzeptanz und kreative Sparideen.

Die Digitalisierung bietet erhebliche Potenziale zur Entlastung von Routinetätigkeiten und zur Steigerung der Effizienz. Geprüft werden beispielsweise der Einsatz von KI-Assistenzsystemen, Software-Robotern (RPA), Formularservern sowie durchgängigen Fachverfahren. Ziel ist es, freiwerdende Kapazitäten für strategische und serviceorientierte Aufgaben zu nutzen und Prozesskosten dauerhaft zu reduzieren.

Kurzfristige Stabilisierungshilfen des Landes sind wichtig. Diese haben den Kommunen die notwendige Luft verschafft, um weiterhin agieren zu können. Wichtig für die Nachhaltigkeit ist nun, dass zügig die notwendigen politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden, indem Bund und Land unter Beachtung des Konnexitätsprinzips vor allem strukturelle Reformen angehen (BTHG, Sozial- und Krankenhausfinanzierung).

Die finanzielle Situation der Kommunen in Baden‑Württemberg bleibt sehr angespannt. Der Hohenlohekreis hat mit seinem zweistufigen Haushaltssicherungsverfahren für den Haushalt 2026 eine belastbare Basis für eine langfristige und resiliente kommunale Finanzplanung gelegt.

Entscheidend sind nun eine nachhaltige strategische Fortentwicklung für die Folgejahre, diszipliniertes Controlling und ein gemeinsames Handeln im Schulterschluss mit Bund und Land. Nur so lassen sich dauerhaft tragfähige Konsolidierungserfolge erzielen, ohne die Leistungsfähigkeit unserer Kommunen im Land zu gefährden.

Michael Schellmann ist Kreiskämmerer im Landratsamt Hohenlohekreis
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